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XVII BROCKEN CHALLENGE 2020

Im Hörsaal der Sportwissenschaftler

Ehrung verdienter Recken

Pastaparty

Stulle und Wurm

Stulle, Hanno, Thorsten und Michaela

Am Start

Stulle und Matthias im ersten Tageslicht

Sonnenaufgang

Marsberger

Wurm

Der Königskrug

Der erste Schnee

Am VP

Heiner als Besucher an der Strecke

Ziel in Sicht

Am Ziel

Am Stein

Da gehts ins Warme

Der Schmerz geht, der Stolz bleibt

Im Goethsaal

Michael und Stulle

Stulle und Kay

Am Buffet

Noch ein kleiner Abendspaziergang

Im Bus

Absacker in Göttingen im Havanna

Brocken Challenge XVII, 2020


'Von der Gewalt,
Die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich,
Der sich überwindet.'
(J.W.v.Goethe)

Besser, als mit diesem Leitspruch der BC, kann man es wohl nicht kurz und knackig ausdrücken, zu erklären, um was es bei der Challange geht.

Und wir haben uns überwunden – und wie!!!


Los geht's am Freitag mit einem netten Zusammenkommen im IfL, dem Hochschulsportzentrum der Universität Göttingen. Startnummer entgegennehmen, Brause oder Bier trinken, schon mal schauen wer noch so alles da ist (natürlich hat man im Vorfeld die Teilnehmerliste auf bekannte Namen gecheckt), sich gegenseitig Mut für den morgigen Tag machen oder den Respekt und die Aufregung vergrößern.
An dieses Vorspiel schließt sich dann um 18.00 Uhr das Briefing im großen Hörsaal der Sportwissenschaftler an. Eingestimmt werden die Läufer mit einem Soundteppich aus Didgeridoomusik von Markus. Dazu historische BC Fotos und Sprüche - absolute Gänsehautatmosphäre! Danach werden drei Läufer geehrt, die die BC zum 10 mal unter die Füße nehmen. Jetzt das eigentliche Briefing, - Strecke – Wetter – Verhaltensregeln - werden souverän von Hecke durchgeführt.

Das Anmeldeverfahren ist etwas tricky. Im November hat man eine Woche Zeit um sich einzuschreiben,was im November 2019, 422 Bewerber taten. Aus diesen wurden dann etwa zweihundertfünfzig Personen nach einem komplizierten Verfahren ausgelost, die dann die Möglichkeit hatten, sich anzumelden. Wenn man eine Spende von 115 €uro überweist, erscheint der Name auf der Starterliste. Wie gesagt, es handelt sich um eine Spende für eine Wohltätigkeitsveranstaltung und nicht um ein klassisches Startgeld. Über die gesamte Summe bekommt jeder Teilnehmer eine Spendenquittung, das gesamte Geld und zusätzliche Spenden fließen vollständig in wohltätige, gemeinnützige, lokale und internationale Projekte. So kommen diesmal 34.000 €uro zusammen. Die unterstützten Projekte in diesem Jahr kann man sich auf eienm der Fotos in der Galerie ansehen.

Der Startort Göttingen hat etwa 120.000 Einwohner und ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Als Oberzentrum liegt Göttingen im äußersten Süd-Osten Niedersachsens. Die über 20.000 Studenten prägen die Stadt und lassen sie unglaublich lebendig erscheinen. 1837 gelangten 'Die Göttinger Sieben' zu deutschlandweiter Berühmtheit. Sieben Professoren setzen sich für Freiheitsrechte ein und legten sich mit der monarchistischen Obrigkeit an. Die Stadt hat bis dato 45 Nobelpreisträger hervorgebracht. Als Wahrzeichen gilt der Gänseliesel-Brunnen vor dem alten Rathaus in der Innenstadt.

Die Strecke gliedert sich grob in drei Abschnitte. Den Anlauf bis Kilometer 42, den mittleren Harz bis Kilometer 75 und den Gipfelbereich des Brockens bis zum Ziel.

Oberhalb Göttingens am Kehr muss man sich vor dem Start in die Starterliste eintragen. Im alten Tanzsaal gibt es ein grandioses Frühstück mit allem was das Herz begehrt. Und das noch fast komplett (wie auch an allen Verpflegungspunkten) in Bioqualität. Alles lecker und liebevoll zubereitet und angerichtet. Kurz vor sechs, alle raus in die Kälte und das große Gewusel am Start beginnt. Durch die unzähligen Stirnlampen und Reflektoren auch ein beeindruckendes Bild. Die Challenge wird mit dem alten BC Schlachtruf: 'Here We Go!' gestartet. Die ersten Kilometer geht’s durch den mit Fackeln am Wegesrand beleuchteten Göttinger Stadtwald. Den völlig ausgestorben wirkenden Ort Mackenrode passieren wir morgens gegen halb sieben. Nach etwa einer weiteren halben Stunde erreichen wir den VP1 bei Kilometer 10,9 in Landolfshausen. Zeit für ein zweites Frühstück. Der Vollmond geht so langsam unter. Es ist immer noch knackig, einige Grad unter Null. Meine Haare sind fest gefroren.

Den VP verlasse ich, wie die meisten Läufer gehend, da direkt eine knackige Steigung folgt. Sehr idyllisch am Seeburger See vorbei, über Bernshausen bis nach Rollshausen. An den dortigen VP2 kann ich mich irgendwie kaum erinnern. Aber 21,8 km sind geschafft. Wir sind im Bereich des erzkatholischen Eichsfeld.

Dann wieder steil bergauf auf den Hellberg, der vom der Tilly-Eiche gekrönt wird. Vom Berg herunter kommt steil die erste richtige Trailpassage. Endlich mal butterweicher Untergrund.  Nach Rüdershausen geht es schon wieder bergauf zu der angekündigten Kapelle. Diesmal weiß ich, was mich erwartet. Bei meiner ersten BC habe ich bei der angekündigten Kapelle mit einer Musikkapelle gerechnet und kurzweilige Unterhaltung erwartet. Von dem Bethäuschen war ich dann recht enttäuscht. Mittlerweile erklärt Hecke beim Briefing aber, um was für eine Kapelle es sich handelt, so dass keine falschen Vorstellungen bei den Novizen aufkommen. Nun weiter bergab durch Wiesen und an einer Landstraße in den Ort Rhumspringe zum VP3, direkt an der Ruhmequelle. Das andere Ende der Rhume, den Bereich der Mündung in die Leine, kennen vielleicht einige von Euch vom Rhumedeichmarathon, veranstaltet von Michael Kiene. 30,7 km sind im Sack.

Weiter geht es leicht bergauf und bergab, über Wiesen und durch Wälder, meist über Waldwege bis in den Ort Barbis, einen Ortsteil von Bad Lauterberg. Dort an der Dreymannsmühle war der VP4 der jeglichen Schnick und Schnack bot. Dort steht dann auch mein persönlicher Betreuer mit frischen und trockenen Shirts, warmen aufmunternden Worten und den Stöcken. Das tut gut, ist vor der kommenden Passage aber auch notwendig. 42,5 km sind abgespult.
Bis jetzt war es Marathon, kein Problem, schon über 200 mal gemacht. Aber was jetzt kommt ist die Challenge, eine echte Herausforderung.

Die nächsten 21,6 km werden als Entsafter bezeichnet. Er saugt den Läufern sämtliche Kraft aus dem Körper. Außerdem schwitze ich wie ein Hund. Direkt hinter der Verpflegung geht es mal wieder steil bergan, oben angekommen ist man endlich richtig im Harz! Erst ein paar Kurven auf Waldwegen, dann die Weser - Elbe Wasserscheide. Daran anschließend, über etliche Kilometer im Steinaer Tal immer weiter bergauf, insgesamt 400 Höhenmeter. In dieses abgelegene, enge Tal scheint im Winter wohl nie die Sonne. Es ist unangenehm kalt! Oben auf dem Jagdkopf, auf 635 m Höhe angekommen, erwartet mich der Notverpflegungspunkt VP5. Die angereichten Stöcke haben mit hier schon gute Dienste geleistet. Immerhin schon 53,8 km auf der Habenseite, aber noch lange nicht durch den Entsafter!

Also weiter! Auch mental ist der Entsafter anspruchsvoll. Wenn man sich entscheidet, nach der Marathondistanz weiterzulaufen, ist man für die nächsten 21 km weit ab jeglicher Zivilisation und Straßen. Es geht nur vor oder zurück! Also weiter! Auf recht ebener Strecke mit nur leichten Steigungen, oft parallel zur Südharzloipe (also dem Weg, der als Südharzloipe gespurt werden kann. Aber Schnee ist ja dieses Jahr nicht da). Ich will nur noch aus diesem Entsafter raus, so schnell wie möglich! Nur das hält mich noch am laufen. Endlich VP6 Lausebuche, die warme Brühe tut so gut! Hier habe ich 63,1 km in den Turmschuhen und bin mir jetzt sicher, den Rest schaffe ich auch noch!
Apropos Turnschuh- / Laufschuhwahl: Viele von uns haben ja einiges an Tretern im Schrank oder vor der Tür stehen. Ist bei mir genauso. Vor so einem Lauf habe ich mir mir natürlich unter Berücksichtigung der Kriterien, Streckenlänge, Untergrund, Wetter, insbesondere Schnee-Regen-Matsch, Gedanken gemacht und mich für das Paar wasserdichte, grobstollige Trailschuhe entschieden. War allerdings rückblickend nicht die optimale Wahl. Harte Wege, Asphalt und wenig Matsch, dazu haben die Trailschuhe zu wenig Dämpfung und sind zu hart. Im oberen Bereich, im Schnee haben sie schon Sinn gemacht. Ich muss sie allerdings so fest anknallen, damit sie nicht scheuern, dass ich schon nach einigen Kilometern höllische Schmerzen im oberen Mittelfuß habe. Selbst nach zweimaligem lockern der Schnürsenkel lassen die Schmerzen nur dezent nach, so dass ich mir schon Gedanken mache, ob es evtl. ein Ermüdungsbruch ist. Aber, wir wissen ja, Schmerzen kann man auch weglaufen. Also weiter und nicht mehr dran denken!

Nach Überquerung der Bundesstraße 4 ist man im Nationalpark. Dort die große Überraschung – etwas Schnee. Die Abstände zwischen den Verpflegungspunkten werden nun geringer, psychologisch ganz wichtig und richtig. Also bin ich schon bald bei VP7 am Königskrug. Am Königskrug muss ich immer an meinen guten, viel zu früh verstorbenen Kollegen Johannes denken, der mich lehrte: 'Bist du Harze zu Besuch, kehre ein im Königskruch!' Die Gaststätte ist bekannt für ihre riesigen Windbeutel. 68,5 km liegen hinter mir!

Weiter, muss ja, hilft ja nix! Bergauf, bergab über Schnee, wurde der Wald immer lichter. Einige Trupps ange- und volltrunkene Wanderer kamen uns entgegen. Der Brocken wird anscheinend immer beliebter als Ziel für Fußballmannschaften und Junggesell(inn)en Abschiede. Da kommt dann auch schon der letzte VP8 in Oderbrück. 72,4 Kilometer habe ich im Rücken.
Dann der Brockenanstieg selber. Noch mal 370 Höhenmeter rauf! Erst langsam ansteigend, dann die Rampe hoch! Steil! Ab hier wird es auch richtig ungemütlich, ordentlich Wind, Feuchtigkeit in der Luft und Kälte – Alles was man nicht braucht! Danach den Wanderweg dicht am Gleis der Brockenbahn. Dann noch links auf die Brockenstraße abgebogen, zwei letzte Kurven und schon bin ich im Ziel! Dort werde ich begeistert von den Helfern empfangen und bekommt meine Medaille. 80 km sind abgerissen! Noch kurz zum Brockenstein ein Foto machen und dann aber rein zum Brockenwirt. Beim Brockenwirt bekomme ich meinen Rücksack mit den Wechselsachen, kann mich duschen und aufwärmen. Ein fantastisches Buffet ist inclusive!

Der Brocken ist mit 1142 m ü.NN der höchste Berg im Harz und der norddeutschen Tiefebene. Das raue Klima ist vergleichbar mit den Lagen in den Alpen in 2000 Metern Höhe. Diese Phänomen beschrieb schon Alexander von Humboldt vor 200 Jahren. So stellte er in Süd-Amerika fest, dass man, wenn man auf einen sehr hohen Berg am Äquator steigt, man die gleichen Klimazonen auf viel kürzerem Weg durchschreitet, wie wenn man sich vom Äquator zu einem der Pole bewegt. Von den Tropen ins Ewige Eis. Deshalb liegt zum Beispiel die Baumgrenze im Harz bei etwa 1100 m ü.NN. Subalpine Zwergstrauchheiden, Gräser und Flechten prägen die Flora. Der erste Schnee fällt meist schon im September und die letzten Schneereste bleiben oft bis in den April hinein liegen. Bei klarem Wetter bietet der Brockengipfel einen Rundumblick auf ein Gebiet, dessen Fläche so groß ist wie die Schweiz.
Zu den bekanntesten historischen Brockenbesuchern zählten Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine. Nach den beiden Schriftstellern sind auch die Aufstiegsrouten benannt, die sie damals nutzten.

Hier möchte ich den großen Dichter Heinrich Heine mit seinem Eintrag ins Gipfelbuch des Brockens zitieren, nach dem Aufstieg im Jahre 1824 an einem nebligen Tag:
'Viele Steine,
müde Beine,
Aussicht keine,
Heinrich Heine.'

J.W.v. Goethe habe ich ja schon eingangs zitiert.

Hier muss dann auch noch ein Sanitäter zitiert werden, der gesagt haben soll: 'Wenn ich gewusst hätte, um was für eine Veranstaltung es sich hier handelt, hätte ich die Zwangsjacken eingepackt!'
Zum Glück hatte, soweit ich das mitbekommen habe, der hervorragend positionierte und ausgestattete Sanitätsdienst wenig zu tun. Ich habe mich trotz der zum Teil doch etwas abgelegenen Strecke immer gut aufgehoben und sicher gefühlt. Das lag neben dem Sanitätsdienst auch an den sehr umsichtigen Helfern an den Stationen.

Gestärkt, trocken und ein klein wenig erholt konnte dann der Rückweg angetreten werden. Da kein Bus auf den Brocken fahren darf und die Bahn nicht mehr fuhr, machten sich die Läufer in Kleingruppen auf den Fußweg nach Schierke. 10 km über die Brockenstraße oder 7,5 km über Trampelpfade - natürlich im stockdunklen und mit großem Rucksack auf dem Rücken, aber immerhin bergab. Wir starteten zu viert mit Christoph, Moya und Matthias. Bei diesem sehr schönen Abendspaziergang ließen wir den erlebnisreichen Tag dann noch einmal Revue passieren. Unten in Schierke angekommen, trafen sich die Wanderer im Café Winkler, wo wir gegen 20:30 Uhr von einem Reisebus abgeholt wurden, der uns zurück nach Göttingen brachte. Wenn man dann 1½ Stunden zurück gefahren wird, bekommt man noch mal ein gutes Gefühl dafür, wie weit man vorher gelaufen ist.

Das größte Dankeschön, gilt allen, die die BC so eindrucksvoll ehrenamtlich vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet haben. Da mir hier größtenteils die Namen fehlen, kann ich nur die Aufgaben anführen, und das auch nur beispielhaft und wahrscheinlich unvollständig, die so vorbildlich ausgeführt wurden und werden. Als da wären: Betreuung der Homepage, Anmeldeverfahren, Startbeutel packen, Spendenempfänger Orga,T-Shirts, Aufkleber u.Ä. organisieren, Startbeutel ausgeben, Hochschulsportzentrum organisieren, Gepäcktransport, einwerben von Spenden, Musik, Briefing, Übernachtungen, Frühstück, Fackeln, Streckenmarkierung und -kontrolle, 8 Verpflegungspunkte, Speisen, Getränke, Thermoboxen, Zieleinlauf, Medaillen, Essen im Goethesaal, Busorga, Sanitätsdienst, Fahrdienst, Anträge und Genehmigungen z.B. bei Kommunen, Nationalparkverwaltung u.Ä.,........ Ich glaube, wenn man diese Anzahl an Positionen sieht, kann man erahnen wie viele Menschen unglaublich viel Zeit und Arbeit dahinein investiert haben, damit wir so viel Spaß haben durften. DANKE!!!



Es folgen einige Statistische Informationen:
Name des Laufs: Brocken Challange 2020 (XVII Auflage)
Ausrichter, Veranstalter: ASFM e.V. - Ausdauer-Sport für Menschlichkeit e.V., Göttingen
Datum: 08. Februar 2020, 06:00 Uhr
Streckenlänge: 80 Kilometer
Steigungen: +1900 Höhenmeter
Gefälle: -1100 Höhenmeter
422 Bewerbungen um die Startplätze
ca. 250 zugelassene Teilnehmer
186 Starter
184 Finisher (98,9%  - Unglaublich)
1 Hund über die gesamte Strecke (Moya)
2 mal DNF
Schnellster Mann: Florian Reichert in 6:41h
Schnellste Frau: Sybille Mai in 8:14h
Letzter Finisher nach 13:27h im Ziel (Zeitlimit 14 Stunden)
Frauenquote: 16,7%

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Text und Bilder: Der Stulle