900. gemeinsamer Marathon in Belfast

Das Rathaus, an dem der Marathonstart stattfindet

Treffen mit den internationalen Lauffreunden zum anschließenden Restaurant-Besuch

Das Titanic-Center auf der ehemaligen Werft

Es war teilweise sehr windig und kühl.

Dieser Pub ist (innen und außen) verziert wie eine Kathedrale, weil die Handwerker für Getränke gearbeitet haben.

Der Trennzaun zw. katholischen und protestantischen Wohngebieten steht noch.

Hinterhofkunst

Wenn man beim Marathonlauf den Fisch passiert, sind noch knapp 7 Kilometer zu absolvieren.

CC-Mitglieder vor dem Start

Als die Brexit-Entscheidung am 24. Juni letzten Jahres bekannt wurde und die Journalisten mutmaßten, dass Nordirland eventuell mit der Republik Irland vereinen wird, war mein erster Gedanke: „Jetzt aber schnell nach Nordirland, um dort den Marathon zu laufen.“ Da die Kontakte zu einer Laufgruppe, die unter der Woche Marathons veranstalten, keinen Termin im Anschluss des Isle of Man-Marathon ergaben, sollte es also der Belfast-Marathon werden. Der ist immer am ersten Montag im Mai, einem sog. bank holiday. Als die Frühjahrsflüge der Fluggesellschaft Flybe im November endlich buchbar waren, saßen wir gerade in Jamaica in unserem Appartment und stimmten uns per whats app mit unseren Töchtern ab, dass wir zu viert reisen und einen Tag nach dem Marathon zurückfliegen. Wohnen wollten wir in der Jugendherberge im Stadtzentrum, so dass fast alles fußläufig erreichbar wäre.

Am letzten April-Samstag ging´s dann los via Manchester. Da Ryanair aber keine Transferabgaben an den Flughafenbetreiber zahlt, ist es vorgesehen, dass man nach Ankunft den Transferbereich verlässt und zweimal die Passkontrolle (Aus- und Einreise) passieren müsste. Glücklicherweise hatten wir aber die Weiterflugboarding-Karte mit flybe, so dass wir „drinnen“ bleiben konnten.
Nach der Ankunft in Belfast trafen wir an der Bushaltestelle Jörg Chittka, der mit seinem Sohn ebenfalls in der Jugendherberge wohnen sollte.
Während in Deutschland die Flughäfen nach Politikern benannt werden, wählt man in Belfast den bekanntesten Fussballer des Landes: George Best!
Nach Bezug des Familienzimmers und einem kulinarischen Blitzstart mit fish and chips ging es zur Hunderennbahn. Sehr originell: die Rennbahn läuft um einen Fussballplatz, so dass sich Fussballverein und Rennbahnbetreiber das Gelände teilen. Da es Samstagabend war, sahen wir manch aufgebrezelte Nordirin, die wegen der kühlen Temperaturen allerdings nur kurz aus dem Gebäude mit Restaurant und Wettbüro nach draußen kamen, um ihre Favoriten (unter den Windhunden) anzufeuern. Weil aber auch uns schnell kalt wurde, gingen wir alsbald wieder los, um mit dem Bus zurück in die Innenstadt zu fahren. Hier waren die Partygänger bereits losgelassen –mancher hatte schon gegen 23 Uhr Mühe, sich aufrecht zu halten.
Am Sonntag trafen wir uns mit den anderen bereits angereisten Country Club Mitglieder vor dem Rathaus zum obligatorischen Gruppenfoto für John Wallace.
Da die Titanic auf einer Belfaster Werft gebaut wurde, steht am Rathaus eine Gedenktafel mit den Opfern des wohl berühmtesten Schiffsuntergangs der Neuzeit.
Das Werftgelände wird aktuell in ein Wohn- und Geschäftsviertel umgewandelt. Allerdings steht in einem Museumsdock das letzte verbliebene Schwesterschiff der Titanic. Außderdem ist ein Titanic-Center erstellt worden. Da es aber immer noch recht frisch war, kehrten wir zum Stadtrundgang in die Innenstadt zurück. Im Ostteil der Stadt sind noch einige Relikte an den Bürgerkrieg erhalten, wie die Trennmauer oder Drahtkäfige an einer Fußgängerbrücke.
Am Montag ging es entspannt zum Start, der nur 15 min Fußweg entfernt war. Dort trafen wir auch die lokale Laufgruppe, die sich dieses Jahr als Schlümpfe verkleidet und blau angemalt hatten. Bei knapp 50 Läufern schon beeindruckend, v.a. weil sie fast geschlossen als Gruppe ins Ziel einliefen, als wir gerade den Busshuttle in die Innenstadt nehmen wollten.
Das Laufwetter war am Montag sehr angenehm, heiter, mit frühjahrsgerechten Temperaturen und glücklicherweise nur an wenigen Stellen windig. Das Leitungswasser aus den Hydranten schmeckte etwas nach Chlor, so dass man sich auf die Verpflegungsstellen freute, an denen der Hauptsponsor Mineralwasser in Flaschen spendierte. An einigen Stellen gab es Isogetränke bzw. Gel. Viele Anwohner v.a. Kinder reichten Weingummi und Orangen – überhaupt waren teilweise viele Leute an der Strecke. Hier war die Stimmung gut, deutlich besser als an den Wechselstationen der Staffelläufer, wo die Wartenden offensichtlich nur Augen für ihre Staffelkollegen hatten (und somit nicht klatschen konnten). Auf den letzten Kilometern wurde ich sogar mit Namen (auf der Startnr. aufgedruckt) angefeuert. Das half mir, das Tempo weiter hochzuhalten. So konnte ich eine Woche (nach dem 100 MC-Mannschaftssieg auf dem Darß mit Ralf Vollmer und JePe Wrage) mich noch mal um eine Minute verbessern und finishte mit 3:18 hh:mm Chiptime. Das war mein 100. Lauf sub 3:20.
Meine Töchter waren in den Zielbereich gekommen und begrüßten mich auf der Massagebank: „War klar, dass wir dich hier treffen.“. Nach einer Dusche warteten wir bei Sonnenschein auf Doris, die nach 4:52 ins Ziel kam. Auch bei bei ihr gab‘s an der Streckenverpflegung noch Iso und Gel –sehr positiv, denn das ist leider nicht immer so.
Mit dem Zielleinlauf war unser gemeinsames „Jubiläum“ perfekt: Doris 360. und mein 540. Marathon ergeben summiert 900 Marathons in der Ehepaarwertung.
(Im Guiness-Buch der Rekorde sind in dieser Kategorie "Most marathons completed by a married couple" die Engländer Linda und Dave Major als Rekordhalter mit 1.050 (Stand 26. Mai 2016) eingetragen.)
Das war der Reisebericht aus Nordirland, unserem 59. Marathonland.