100ster Marathon

Patrick mit der Startnummer 100

Schon früh nach meiner Geburt im Jahre 1980 war mir klar, dass laufen nichts für mich ist. Ich schmiedete einen Plan. Ich würde mich einfach bis zum Führerschein im Kinderwagen durch die Gegend schieben lassen. Dieser Plan hatte nur einen Haken. Meine Eltern machten das nicht ewig mit. So musste ich also doch die Welt auf eigenen Füßen entdecken.
In meiner Kindheit konnte ich mich nicht groß für Sport begeistern. Turnen war irgendwann nicht mehr meins und auch der Schwimmverein konnte mich nicht lange als Mitglied halten. Und ich hasste Leichtathletik. Ja wirklich. Ich schaffte es während meiner Schulzeit keine einzige Urkunde bei den Bundesjugendspielen zu bekommen. Leichtathletik war doof, da muss man laufen, springen und werfen.
Mein erster sportlicher Erfolg war eine Bronzemedaille im Siebenkampf beim örtlichen Bolzplatzfest 1991. Nun war dieser Heptathlon nicht wie man ihn von Olympia her kennt. Was da genau für Disziplinen drin vorkamen weiß ich heute nicht mehr. Definitiv war aber Armbrustschießen dabei. In dieser Disziplin war ich Bester. Und sie machte mir Spaß.
Also trat ich ein Jahr später in den örtlichen Schützenverein da. Dort konnte ich mit Luftgewehr, Luftpistole und manchmal auch mit einer Armbrust schießen. Es folgten einige Vereinsmeistertitel für mich. Mit 15 wurde ich Jugendkönig. Der bis dahin jüngste König in der Vereinsgeschichte. Das war schon ein tolles Gefühl.
Irgendwann wurde ich zum Sommerbiathlon geschickt. Im Vorfeld trainierte niemand mit mir laufen. Auch mental wurde ich nicht drauf vorbereitet. Es kam wie es kommen musste. Beim Laufen überdrehte ich, dadurch konnte ich nicht vernünftig schießen und landete auf dem letzten Platz. Da wo er halt auch hingehört, der Antiathlet.
Ich blieb dem Verein noch ein paar Jahre treu, bis ich dann nach neun Jahren Mitgliedschaft zum größten Schützenverein Deutschlands wechselte.
Während ich dort vier Jahre lang das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer von der Kaffeetasse aus verteidigen durfte freundete ich mich ein bisschen mit der Lauferei an. In meiner Grundausbildung legte ich sogar freiwillig und untrainiert nach Dienstschluss das DLV Laufabzeichen Stufe 5 ab. 120 Minuten laufen. Wow! Ich kann es ja doch. Darüber gibt es nur das Marathonabzeichen. Das hatte bei uns in der Einheit Keiner. Das war damals schon insgeheim ein Traum für mich. Aber das Abzeichen lag in weiter Ferne.
Ich legte in den Folgejahren meinen Schwerpunkt nämlich nicht auf den Laufsport. Ich gab mich vielmehr der Raucherei hin, verbrachte meine Freizeit unter und in umgebauten Autos und ging gerne feiern.
Irgendwann aber kam der Tag als meine damalige Freundin mir meine Zigaretten wegnahm. Was lag in dieser Situation näher als mit dem Rauchen aufzuhören? Also hörte ich auf. Das war zur Zeit des Sommermärchens 2006. Seitdem habe ich nie wieder geraucht.
Natürlich war mir klar, dass ich ohne Ausgleich aufgehen werde wie Hefeteig. Also fing ich an Sport zu treiben. Fitnesscenter, Selbstverteidigungskurs, Karate, Ninjitsu und auch laufen. Dummerweise alles gleichzeitig. Das ging dann logischerweise nicht lange gut. Ich verlor die Lust dran und ging auf wie der schon erwähnte Hefeteig.
4 Jahre später, so ziemlich zur nächsten Fußballweltmeisterschaft hatte ich genug. Ich wollte wieder was machen. Nur laufen, dafür aber vernünftiger. Also schnürte ich meine Laufschuhe und lief meine erste Laufrunde um den Süllberg. Und ich meldete mich für meinen ersten Volkslauf an, den 8. SportScheck Nachtlauf in Hannover. Meine Karriere als Läufer begann.

Ein Freund überredete mich für den 39. Berlin-Marathon. Für den Ersten hielt ich Berlin eine gute Idee. Das kam dann anders, Berlin wurde der Vierte. Vorher lief ich den Springer Viereinhalbstundenlauf, den Wilhelmshavener Gorch-Fock Marathon und den 1. Süntel Trail 50k, der sogleich mein erster Ultra war. Nach Berlin lief ich noch Magdeburg und den Zeittunnelmarathon in Barfelde. 2013 kam ich über die Verlosung an einen Startplatz für den Eilenriedemarathon, wo ich Heiner Schütte kennenlernen durfte und ersten Kontakt zur Vielläuferszene hatte. Es ging dann erstmal nur mit Marathons und einem Ultra pro Jahr weiter. Aber ich merkte schnell, das ich nicht nur gerne oft, sondern auch weit laufe. Ich steckte mir zusätzlich das Ziel 100 M/Us vor meinem 40. Geburtstag gelaufen zu sein. Meine Distanzen änderten sich. Ich war oft bei 6h Läufen. Die Tortour de Ruhr war der erste Ultralauf von dem ich überhaupt gehört hatte. Das war seinerzeit im Podcast Laufradio. Seitdem hatte die TorTour eine magische Anziehungskraft auf mich. Ich lief den Bambinilauf. Eigentlich wollte ich nie über 100km hinaus. Das änderte sich aber. Immerhin wollte ich auch mal eine Gürtelschnalle und auch der Mauerweglauf reizte mich immer mehr, zumal meine Familie eng mit der Mauergeschichte verknüpft ist.

Mittlerweile blicke ich auch auf vier 100 Meiler zurück. Einmal die TorTour und drei Mal in Folge den Mauerweglauf.

Ja, und nun habe ich auch die 100 geschafft.